»Knocker-Upper« – die Fensterklopfer




Knocker-UpperNeue Technologien und der gesellschaftliche Wandel haben eine Vielzahl von Berufen, die früher zum Alltag gehörten, verdrängt. So auch jenen, den Mary Smith ausübte. Ihr Job war von immenser Bedeutung für das aufstrebende industrielle England des vorletzten Jahrhunderts. Mary hatte für ihren Job ganz spezielle »Werkzeuge« – ein Blasrohr sowie ein Beutel mit Bohnen. Sie war eine von mehreren »Knocker-Upper« – eine Fensterklopferin.

 

Zu Zeiten der aufstrebenden Industrialisierung im viktorianischen England wurden die Arbeiter, die vorwiegend fabriknah wohnten, von den werkseigenen Sirenen zur Arbeit gerufen bzw. geweckt. Doch nicht alle Fabrikarbeiter wohnten direkt im Umfeld der großen Industrieanlagen, sondern hausten meist in den Vorstädten der wachsenden Metropolen. Und von Weckern, wie wir sie heute kennen, war in den Haushalten der Arbeiter nichts zu finden. Wie also pünktlich zur Arbeit kommen, ohne zu verschlafen?

Knocker-Upper – ein Job für Frühaufsteher

Die Lösung war, einen »Knocker-Upper« (zu deutsch: Fensterklopfer) zu engagieren. Diese Leute hatten es sich zur Aufgabe gemacht, die Leute zu wecken, damit sie nicht verschliefen. Die Methoden waren höchst unterschiedlich: Einige Knocker-Upper verwendeten lange Bambusstöcke, mit denen sie so lange an die Fensterscheiben klopften, bis die Leute aufgewacht waren, die sie beauftragt hatten. Erst, wenn ein eindeutiges Lebenszeichen zu erkennen war, zogen die Knocker-Upper zum nächsten Kunden. Andere Knocker-Upper hingegen verwendeten laute Rasseln oder Gummihämmer, mit denen sie gegen Türen und Fenster klopften. Der wohl bekannteste Knocker-Upper war Mary Smith, die mit einem Blasrohr und Bohnen die Fenster ihrer Kunden »beschoss«. Für die Service-Leistung erhielten die Knocker-Upper einen geringen Lohn. Nicht selten übernahmen auch Polizisten den Job des Aufweckens, um deren Gehalt ein wenig aufzubessern.

Knocker-Upper

Knocker-Upper waren in den Industriemetropolen Englands ein üblicher Anblick. Die Kunst des Aufweckens bestand darin, nur die jeweilige Kundschaft aus dem Schlaf zu reißen, aber die Nachbarschaft weitestgehend in Ruhe zu lassen. Man musste laut genug sein, damit die Klienten aufwachten, aber leise genug, um die anderen nicht zu stören.

Knocker-Upper

Ein weiterer Fensterklopfer war Mrs. Bowers aus Sacriston, County Durham. Die Dame stand jede Nacht um ein Uhr auf. Dann drehte sie mit ihrem Hund Jack ihre Runde, um die Bergleute zur Frühschicht zu wecken. Ihren Job begann sie während des Ersten Weltkrieges und fuhr damit viele Jahre fort. Der letzte Fensterklopfer war die Tochter von Mary Smith, die ebenfalls Mary hieß. Sie galt als letzter Klopfer des londoner East-Ends. Mit der zunehmenden Verbreitung der Elektrizität und erschwinglichen Weckern in den 40er- und 50ern-Jahren des letzten Jahrhunderts starb der Beruf des Fensterklopfers aus.

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