Sport ist Mord – vergessene Sportarten!




Sport ist Mord - vergessene SportartenLust auf eine Runde Auto-Polo, Fuchsprellen, Eis-Tennis, Pfeil-und-Bogen-Golf, Ballonspringen, Zentrifugalkegeln, Luftgolf oder Menschenangeln? Sie wissen nicht, was gemeint ist? Na Gott sei Dank und gut so. Denn diese unerquicklichen »Sportarten« haben glücklicherweise das Zeitliche gesegnet und den olympischen Sprung nicht geschafft. Vergessene Sportarten gehören in die Mottenkiste der Geschichte. Sport ist Mord – vergessene Sportarten.

 

Seien wir doch mal ehrlich: Sport, den wir live oder im TV konsumieren, beschränkt sich doch heutzutage hauptsächlich auf Fußball, ein wenig Wintersport und, wenn mal Olympiade im TV flimmert, auf die ein oder andere Dosis Leichtathletik. Das wars! Irgendwie eintönig. Ganz anders zu früheren Zeiten. Das Wort »Sport« leitet sich vom altfanzösischen »desporter« ab und bedeutet soviel wie »zerstreuen, vergnügen«. Und genau das war es wohl auch zu früheren Zeiten. Sport war ein aktiver Zeitvertreib, der lediglich ein Ziel hatte – Zerstreuung und vor allem jede Menge Vergnügen. Leider nicht immer für die Sporttreibenden oder den Tieren, die mit ihrem dafür Leben bezahlten. Und natürlich auch nur für jene, die über das notwendige Kleingeld verfügten, um entweder aktiv daran teilzunehmen oder als Zuschauer zu partizipieren. Man gab sich jahrhundertelang der Zerstreuung hin, wodurch eine Unmenge absurder Sportarten entstanden.

Sport ist Mord – vergessene Sportarten

Irrsinn Luftgolf: Hierbei bildeten ein Pilot sowie ein Golfer ein Team, quasi einen Flight, wie der Golfer sagt. Aus dem Flugzeug und im Sturzflug heraus versuchte der Pilot den Ball so nah wie möglich am Loch zu platzieren, damit der Golfer am Boden die beste Position zum Einlochen auf dem Grün hatte. Durchgesetzt hat sich der Wahnsinn nicht, da die Lärmbelästigung des Flugzeugs im Sturzflug und das Unfallrisiko einfach zu groß waren. Ob es zu Unfällen beim Luftgolf gekommen ist, ist nicht überliefert. Beliebt war der »Sport« in den 1920er-Jahren. Im selben Zeitraum, so in den dreißiger Jahren, meinten amerikanische Studenten ebenfalls eine neue Sportart »gefunden« zu haben – das Goldfischschlucken. Hierbei überbot sich die zukünftige USA-Bildungselite, die kleinen Fischchen herunterzuwürgen. Der Rekord soll angeblich bei 210 Goldfischen gelegen haben. Als die amerikanische Öffentlichkeit davon Wind bekam, fand der Spuk ein ziemlich schnelles Ende. Grund der Empörung: Die Fische lebten ja noch! Auch die Australier wollten in Sachen ausgefallener Sportarten ihren Schwestern und Brüdern in Europa und den USA in nichts nachstehen. Also erfand man das »Menschenangeln«. Dabei bekam ein Schwimmer einen Schultergurt umgelegt, der an einer Angelleine befestigt war. Diese wiederum hielt ein Angler an Land in der Hand, der versuchte, den Schwimmer an Land zu ziehen. Ein reichlich sinnloses Unterfangen!

Sport ist Mord - vergessene Sportarten
Auto-Polo-Wettstreit in Regina, Saskatchewan, 1919. © Verlagsbuchhandlung Liebeskind

Anfang des 20. Jahrhunderts kam, wer auch immer, in Boston auf die Idee, das Pferd beim Polo doch einfach durch ein Auto zu ersetzen. Und schon war das Autopolo erfunden. Die Devise lautete: Zuerst rammen, und dann den Ball schlagen. Das Publikum war begeistert. 1934 schrieb die »Miami News«: Wenn man nicht vor Angst stirbt, lacht man sich tot. Das Treffen des Balls war absolute Nebensache. Vielmehr erinnerte das Auto-Polo an Stockcar-Rennen.

Ballonspringen gilt als tödlich

Es gab auch vermeintliche Sportarten, die lebensgefährlich waren – Stichwort »Ballonspringen«. 1927 hingen Männer an großen, mit Helium gefüllten Ballons, um bis zu 90 Meter weit springen zu können. Die damalige Presse war begeistert: »Wir könnten im Frühling Kirschen ernten, ohne uns die Beine zu brechen. Wir könnten auf Aufzüge verzichten und unser im dritten oder vierten Stock gelegenes Büro betreten, indem wir vors Fenster hüpfen und dann reinklettern.« Die kurze Geschichte des Ballonspringens endete tödlich. Im März 1927 gerieten der britische Pilot »Brainy« Cobbs und sein Ballon auf dem Gelände des Stag-Lane-Aerodroms im Norden Londons in eine Hochspannungsleitung. Er starb im Funkenregen und mit ihm das Ballonspringen. Noch 1923 schrieb die amerikanische Wissenschaftszeitschrift »Populär Science«: »Würden Sie nicht gerne Ihren eigenen handgetriebenen Ballon besitzen, um Ihren Samstagnachmittag mit einem Vergnügungsausflug durch die Lüfte zu verbringen, an die tausend Fuß hoch, unter dem runden Bauch eines kleinen gasgefüllten Beutels baumelnd, und überall dorthin reisen, wohin verspielte Brisen sie treiben?« Ähm, nein, bitte nicht! Das Ballonspringen wurde mit der Begründung eingestellt, das man das Sicherheitsniveau nicht unterhalb von »regelmäßigen Todesfällen« senken könne.

Sport ist Mord - vergessene Sportarten
Wie sich das amerikanische Magazin »Scientific American« das Ballonspringen vorstellte. © Edward Brooke-Hitching, Lexikon der vergessenen Sportarten, Liebeskind/Edward Brooke-Hitching

Ebenfalls lebensgefährlich waren das Wasserfallreiten (und ja, es ist genau das gemeint, was der Begriff aussagt) und das Feuerwerksboxen. Hierbei zwängten sich die Todesmutigen in Asbestanzügen mit speziellen Vorrichtungen für Feuerwerkskörper. Ziel war es, den Gegner unter Zuhilfenahme der Feuerwerkskörper zu Boden zu ringen. In die Kategorie »Selbstmord und gefährliche Körperverletzung« fielen vor allem kombinierte Sportarten. Hier sollte zusammenwachsen, was eigentlich nicht zusammengehört. Und schon sind wir beim Eis-Tennis. Dabei spielte man auf Schlittschuhen, auf unter Wassern gesetzten Plätzen bei Frost. 1927 wurde Eis-Tennis im Madison Square Garden gespielt und erfreute sich doch einiger Beliebtheit. Jedoch konnte es den Massenmarkt niemals erreichen. Der Grund hierfür war, dass der Ball einfach unberechenbar aufkam und sich die Spieler schwerste Prellungen zufügten, um den Ball zu erreichen bzw. zu spielen. Eine nicht unerhebliche Gefahr ging ebenfalls vom Pfeil-und-Boden-Golf aus, dass erstaunlicherweise bis in die 1970er gespielt wurde. Dann griffen die amerikanischen Gesundheitsbehörden ein. Die Behörde sah die Gefahr, seine Mitspieler zu perforieren!

vergessene Sportarten
Eis-Tennis im Jahre 1876. © Edward Brooke-Hitching, Lexikon der vergessenen Sportarten, Liebeskind/Lemon, Mark, 1809-1870 ed

Menschenwerfen und Fuchsprellen

Im 17. Jahrhundert erfreute sich das Menschenwerfen besonderer Beliebtheit, auch hierzulande. Beim Prellen, wie man das Menschenwerfen auch nannte, lag eine Person auf einem großen Tuch. Dieses wurde von 16 Männern gehalten, die dann das Tuch ruckartig anspannten, wodurch der Geprellte schlagartig nach oben geschleudert wurde. Eigentlich nicht wirklich schlimm wäre da nicht eine Vielzahl von Steinen und Holzscheiten gewesen, die ebenfalls mit nach oben geschleudert wurden. Und mit denen wollte der Geprellte auf gar keinen Fall kollidieren. Schmerzhafte Verletzungen waren die Folge. Als Abart entstand das sogenannte Fuchsprellen. Auch hier halten Männer und Frauen in einer Art Arena eine riesige Stoffbahn zwischen ihren Händen. Sobald einer von vielen Füchsen, die in die Arena gelassen wurden, sich auf das Prelltuch traute, spannte man es an und schleuderte das arme Tier in die Luft. Gleiches geschah auch mit anderen Tieren. War man der »sportlichen« Betätigung überdrüssig, wurden die verletzten Tiere »mit einem herzhaften Keulenschlag« erledigt.

Sport ist Mord - vergessene Sportarten
Fuchsprellen im 18. Jahrhundert. Das Bild stammt aus Johann Friedrich von Felmmings Werk »Der vollkommene teutsche Jäger«. © Edward Brooke-Hitching, Lexikon der vergessenen Sportarten, Liebeskind/Edward Brooke-Hitching

Viele der vergessenen »Sportarten« sind heutzutage glücklicherweise ausgestorben. Deren Misserfolg lässt sich mit drei Dingen erklären – Grausamkeit gegen Tiere, Lebensgefahr für die Sportler und immense Lächerlichkeit. Die schrägsten Disziplinen hat Edward Brooke-Hitching in seiner »Enzyklopädie der vergessenen Sportarten« detailliert beschrieben. Der Autor ist Brite. Dies erklärt auch, warum die meisten Sportarten aus seiner Heimat Großbritannien stammen. Für ihn ist Großbritannien das Heimatland der verschrobenen Kunst, seine Freizeit mit seltsam anmutenden Leibesübungen zu verbringen.

Und noch mehr interessante Geschichten auf LAMUNDUS:

Die Todespfeife der Azteken

Zecken-Plage 2018 – Wissenschaftler schlagen Alarm

»North Brother Island« – New Yorks dunkles Geheimnis

Die vergessenen Betonpfeile des »Selbstmörder-Clubs«

Heckler & Koch: Polizeipistole SFP 9 fällt bei Qualitätstest durch

Ikea im Weltraum: NASA und Ikea entwerfen Weltraum-Kollektion »Rumtid«

Belgien: »Wunderkind« Laurent macht mit acht Jahren Abitur

Hat Ihnen die Geschichte gefallen? Dann teilen Sie diese doch mit Ihren Freunden. Sie haben Anregungen zum Thema? Wunderbar! Dann nichts wie los und kommentieren Sie, was das Zeug hält!




2 Kommentare

  1. Toller Beitrag! Schade dass es die Ballons nicht gibt, das wäre doch was gewesen. Vielleicht kommt ein findiger Tüfler ja doch noch auf die Idee, wie man damit sicher reisen kann. Man darf halt nur nicht zu nah an Flughäfen kommen. Und Autobahnen. Und Strommasten. Und Windkrafträder…

4 Trackbacks / Pingbacks

  1. Edgar Allan Poes mysteriöser Tod: Genie, Wahnsinn und Tod - lamundus
  2. Der Templerschatz von Rennes-le-Château - lamundus
  3. Im Test: ECM Mechanika V Slim - Liebe auf den ersten Blick - LAMUNDUS
  4. High Diving - ein Extremsport für Wahnsinnige - lamundus

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.