Mexiko: Teotihuacan und die Scheibe des Todes




In der »Teotihuacan«-Ausstellung des »Nationalmuseum für Anthropologie« in Mexiko-Stadt gibt es ein Exponat, dass die Blicke der Besucher sofort auf sich zieht. Die morbide Skulptur trägt den landläufigen Namen »Scheibe des Todes« und gibt Betrachtern und Forschern gleichermaßen Rätsel auf. Mexiko: Teotihuacan und die Scheibe des Todes.

© Wikimedia Commons/ ProtoplasmaKid

Die Skulptur zieht einem sofort in ihren Bann: Die Schieferplatte beherbergt einen riesigen grinsenden Schädel, dessen Augen den Betrachter bösartig anstarren, während eine lange hervorstehende rote Zunge das Ganze ad absurdum führt. Am Merkwürdigsten ist jedoch, dass die Skulptur von einem aufwendigen Heiligenschein umgeben ist, der seltsamerweise an einen katholischen Heiligen erinnert. Die Skulptur trägt den Namen »Scheibe des Todes«.

Mexiko: Teotihuacan und die Scheibe des Todes

Den Wissenschaftlern ist nicht klar, was die rätselhafte Skulptur für die Indianer der untergegangenen Zivilisation der »Teotihuacan« bedeutete. Der Ort des Fundstücks jedoch könnte einige Hinweise auf ihre symbolische Bedeutung geben. Die Scheibe wurde im Jahre 1964 bei einer umfangreichen archäologischen Ausgrabung von Teotihuacan von einem Team von erstaunten Archäologen aus dem Boden direkt vor der berühmten Sonnenpyramide (der drittgrößten Pyramide der Welt) ausgegraben. Die Forscher glauben, dass der Heiligenschein der Skulptur auf den Untergang und den Aufgang der Sonne anspielen könnte. Für viele indianische Völker Mittelamerikas bedeutete der Wechsel von Tag zu Nacht ein Zyklus des Todes sowie der Wiedergeburt.

Schwieriger wird die Deutung der Darstellung des Schädels. Hier wiederum glauben die Wissenschaftler, dass die Darstellung auf die rituelle Praxis der Menschenopfer anspielt. Andere Experten wiederum denken an eine Darstellung des teotihuacanischen Totengottes »Mictlantecuhtli«. Der Einsatzzweck der Scheibe des Todes bleibt jedoch weiter größtenteils im Dunkeln. Ausgehend von der Anwesenheit und Lage von Grabstätten scheint es, dass es ein Bestandteil der Zeremonie des Opferns von Mensch und Tier beim Bau von Gebäuden war. Dies geschah eventuell zur Befriedigung der Götter, um sowohl materiellen Wohlstand als auch Sicherheit vor den häufigen Erdbeben und Vulkanausbrüchen der Region zu gewährleisten. Heute befindet sich die Scheibe des Todes im Nationalmuseum für Anthropologie im »Chapultepec«-Park.

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3 Kommentare

      • Ohne jetzt Experte in der Sache zu sein, würde ich am ehesten zu „Amerikanische Ureinwohner“ tendieren. Oder gar „Ureinwohner im heutigen Mexiko“ oder sowas. Es ist aber sicher eine komplizierte Diskussion, ähnlich wie beim Wort „Zigeuner“. Einerseits ist es ein Begriff von außen, der auch eine gewisse Diskriminierung mit sich bringt. Andererseits wird er teils halt auch von den Gruppen selbst genutzt..

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