»North Brother Island« – New Yorks dunkles Geheimnis




North Brother Island – New Yorks dunkles Geheimnis Die kleine Insel »North Brother Island« liegt zwar nur einige hundert Meter von New Yorks Bronx entfernt, ist aber weitgehend aus dem Gedächtnis der New Yorker getilgt. Und das liegt vor allen an deren unheilvoller Geschichte, mit der man nichts zu tun haben möchte. Das kleine Eiland mit der Größe von ungefähr 5,3 Hektar zog das Unglück an wie kein zweiter Ort der Millionenmetropole. North Brother Island – New Yorks dunkles Geheimnis! 

 

North Brother Island liegt im East River, und zwar in einer Meerenge mit Namen »Hell Gate« (Höllentor) zwischen der Bronx und Queens. Die Bezeichnung trägt die Meerenge nicht umsonst, denn hier herrschen extrem gefährliche Strömungen, die in der Vergangenheit hunderten Schiffen zum Verhängnis wurden. Besonders als New York im 19. Jahrhundert zur weltweit aufstrebenden Metropole avancierte, verschlang die Meerenge Unmengen an Handelsschiffen. Und auch heute noch gilt die Meerenge für Profis, wie auch für Freizeit-Skipper, als sehr schwer zu handhaben.

North Brother Island – New Yorks dunkles Geheimnis 

Entdeckt wurde North Brother Island und ihre kleine Schwester South Brother Island bereits im Jahr 1614. Eine Besiedlung jedoch war unmöglich, da die gefährlichen Strömungen und Strudel dies unmöglich machten. Versuchte hatte man es zwar, aber fast immer ohne Erfolg. Eine regelmäßige Anlieferung mit Nahrung und Baumaterialien war ein Ding der Unmöglichkeit. Erst 1885 entschlossen die Stadtoberen New Yorks auf der immer noch schwer zu erreichenden Insel eine Quarantäne-Station für die damals in der Großstadt wütenden Krankheiten wie etwa Lepra, Tuberkulose, Pocken, Typhus und Kinderlähmung zu errichten. Der Standort war optimal – obwohl die Insel zum Stadtgebiet gehörte, war ein Zurück für hochansteckende Patienten mit ihren damals tödlichen Krankheiten unmöglich. Der Ort war perfekt isoliert und trotzdem nahe genug, um die Erkrankten rasch aus der Stadt zu deportieren.

North Brother Island – New Yorks dunkles Geheimnis 
Das Quarantäne-Hospital auf North Brother Island. © reivax from Washington, DC, USA

Das Krankenhaus füllte sich im Handumdrehen. Nach nur wenigen Jahren platzte die Klinik aus allen Nähten. Zeitweise beherbergte North Brother Island mehr als 1.200 Patienten mit hochansteckenden Krankheiten, die an diesem finsteren Ort lediglich aufbewahrt denn geheilt wurden. Der Höhepunkt war eine Typhus-Welle in den 1890er-Jahren. Bei Überbelegung wurden die sterbenskranken Patienten einfach in Zelten vor den Toren der Quarantäne-Klinik untergebracht – egal ob Regen, Sturm, Kälte oder harter Winter. Es mangele an allem: Weder gab es ausreichend medizinisches Personal noch entsprechende Gerätschaften. Die Patienten wurden einfach auf die Insel verfrachtet, damit die hier, vom Antlitz der Erde gelöscht, einfach so schnell wie möglich starben.

Und dann auch noch eine Schiffskatastrophe

Als wären die Verhältnisse auf der Insel nicht schon schlimm genug gewesen, kam es am 15. Juni 1904 zur schlimmsten Schiffskatastrophe, welche die Vereinigten Saaten von Amerika jemals erlebt haben. Dem Raddampfer »General Slocum« wurde während einer Fahrt auf dem East River ein Feuer an Bord zum Verhängnis. Mehr als 1.000 Menschen starben durch die Schiffskatastrophe, davon sehr viele Frauen und Kinder der deutschen Einwanderer-Gemeinde. Und wieder einmal ertranken die meisten Menschen aufgrund der starken Strömung und kraftvollen Strudel vor den Toren der Quarantäne-Insel. Andere wiederum zermalmte das gewaltige Heckrad des Schaufelraddampfers. Das ausgebrannte Wrack strandete schließlich auf North Brother Island. Obwohl die Patienten der Insel schwer krank waren, halfen sie dennoch bei der Rettung der Überlebenden. Sie bildeten eine Kette zwischen Stand und Krankenhaus, damit die Verletzten so schnell wie möglich ins Hospital kamen. Immerhin überlebten somit mehr als 300 Menschen.

Typhus-Mary »zieht« ein

Und auch nach der Schiffskatastrophe rissen die Schlagzeilen um North Brother Island nicht ab. Stichwort »Typhus-Mary«: Mary Malloon arbeitete viele Jahre lang als Köchin in New York und steckte während dieser Zeit unbemerkt mehr als 50 mit Typhus an. 1907 wurde die irische Einwanderin ins Quarantäne-Hospital verbracht und musste dort drei Jahre in Isolation verbringen. Jedoch ohne Erfolg und Heilung. Nachdem sie als geheilt entlassen worden war, steckte sie erneut mehrere Menschen mit der heimtückischen Krankheit an. Daraufhin machte die New Yorker Gesundheitsbehörde »Nägel mit Köpfen« und wies sie auf Lebenszeit ins Hospital der Insel ein. Dort verstarb sie 1938 an einer Lungenentzündung. Das Quarantäne-Krankenhaus schloss die Stadtverwaltung unmittelbar danach.

Und die Geschichte geht weiter

Obwohl geschlossen, ging die Geschichte um North Brother Island in eine weitere Runde. Die Stadtverwaltung New Yorks kam nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Idee Kriegsveteranen, die in New York studierten, im Rahmen einer Art Studentenwohnheim auf der Insel unterzubringen. Das Nutzungsrecht-Intermezzo dauerte ganze sieben Jahre. Als die Anzahl der Kriegsveteranen, die einem Studium frönen wollten, zurückging, kam man ab 1952 auf eine andere glorreiche Idee – junge Drogenabhängige wurden in die alte Quarantäne-Klinik eingewiesen, um einen Entzug durchzumachen. Viele gegen ihren Willen! Und von einem medizinisch begleiteten Entzug konnte man beim besten Willen nicht sprechen. Die armen Seelen wurden einfach in Zellen eingesperrt, einem kalten Entzug unterworfen und dann herausgeworfen, wenn sie vermeintlich clean waren. Auch das war keine Erfolgsgeschichte. Die Klinik schloss 1964 endgültig ihre Tore. Für immer!

Seit 1964 ist die Insel komplett sich selbst überlassen und avanciert seit einigen Jahren zum attraktiven Lost Place, und das in Stadtnähe. Das Betreten von North Brother Island ist strengstens verboten. Nur sehr selten vergibt die New Yorker Stadtverwaltung Ausnahmegenehmigungen. Was die Zukunft der Insel anbelangt, hüllt sich der Bürgermeister von New York trotz mehrerer Anfragen diverser Investoren in Schweigen. Fast könnte man meinen, dass die Geschichte des düsteren Eilandes für immer hinter Schloss und Riegel bleiben soll.

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