Ruhe bitte! Signale vom Mars




Ruhe bitte! Signale vom MarsVor kurzem war es wieder einmal so weit – Erde und Mars kamen sich so nahe wie seit langem nicht mehr. Die Distanz betrug lediglich rund 58 Millionen Kilometer. Der Begleiter unserer Erde leuchte hell und orange am Nachthimmel und war mit bloßem Auge deutlich zu erkennen. Als der Mars das letzte Mal ähnlich nah der Erde kam, und zwar im August 1924, dachte die US-Navy, es wäre eine günstige Gelegenheit Nachrichten von unserem Nachbarn zu hören. Die Gelegenheit käme sobald nicht wieder. Ruhe bitte! Signale vom Mars.

Im August 1924 war die US-Navy in Aufruhr, und zwar in Person des »Secretary of the U.S. Navy« Curtis D. Wilbur. Er war der festen Meinung, dass der Mars bewohnt wäre und nun die Stunde der Kommunikation mit de Marsianern gekommen wäre. So nahe würde der Mars der Erde sobald nicht wieder kommen. Wenn also Marsmenschen uns Erdlingen eine Nachricht zukommen lassen wollten, dann wäre jetzt der richtige Zeitpunkt.

Ruhe bitte! Signale vom Mars

Wilbur und seine Mitarbeiter waren von einer bevorstehenden Sprachnachricht dermaßen überzeugt, dass von seinem Büro in Washington D.C. ein Telegramm an sämtliche Marinestationen und Observatorien landesweit versandt wurde. »Die Navy wünscht sich eine Zusammenarbeit mit Astronomen, die glauben, dass der Mars versucht mit uns auf der Erde mittels Funkwellen zu kommunizieren, solang er in der Nähe der Erde ist. Alle Landfunkstationen werden gebeten, insbesondere nach elektrischen Phänomenen Ausschau zu halten und diese zu melden.« Die Mitarbeiter sollten besonders zwischen dem 21. und 24. August Augen und Ohren besonders offen halten und die Stationen rund um die Uhr besetzen.

Der Glaube an die Marsmännchen

Es war ein Zeichen jener Zeit des technologischen Aufbruchs, dass alles möglich schien – selbst eine Kontaktaufnahme mit den Bewohnern des Mars. An sich keine neue Idee. Bereits 1894 behauptete Sir William Henry Preece, einer der besten Ingenieure der britischen Post und ein Vorreiter in Sachen Funktechnik, dass es möglich sein könnte, unseren planetarischen Nachbarn anzurufen. Auch Preece war felsenfest davon überzeugt, dass es Leben auf dem Mars gäbe. »Sagen wir, der Mars wäre bevölkert mit Wesen wie uns selbst, welche die Gabe der Sprache und das Wissen haben, die großen Kräfte der Natur zu beherrschen«, schrieb er. Unter diesen Bedingungen, so Preece, sehe er keinen Grund, warum es nicht möglich sei, »per Telefon mit den Menschen auf dem Mars zu kommunizieren«.

Ruhe bitte! Signale vom Mars

Die Menschheit war im ausgehenden 19. Jahrhundert extrem begeistert von der Vorstellung, dass es Leben auf dem Mars geben könnte. So behauptete der Astronom Percival Lowell, dass die Marsmenschen eine Reihe von Kanälen auf ihrem Planeten ausbaggerten, die denen auf der Erde sehr ähnlich sahen. Ein Indiz dafür, dass es Leben auf dem roten Planeten gäbe. Heute wissen wir, dass die vermeintlichen Kanäle natürlichen Ursprungs sind. Doch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war man von der Entdeckung der Kanäle euphorisiert – ein Zeichen für außerirdisches Leben!

Marconi mischt mit

Und dann war da noch Guglielmo Marconi. Der italienische Tüftler, Erfinder und Multimillionär gilt landläufig als Vater des Radios, wie wir es heute kennen. Er war ein fanatischer Anhänger der drahtlosen Telegrafie und der kabellosen Kommunikation. Marconi widmete sein gesamtes Tun dieser Idee – nicht immer mit lauteren Mitteln. Er schlug sich sofort auf die Seite derer die glaubten, dass es auf dem Mars Leben gäbe und diese Wesen mit uns kommunizieren wollten – natürlich kabellos per Funk. Marconi wurde schnell zum Gesicht all jener, die nach Leben auf dem Mars suchten. Und er agierte dabei sehr geschickt und medienwirksam. In den frühen 1900ern begann er bereits damit die Medien mit Berichten von »seltsamen Geräuschen« zu füttern, die er angeblich aufgefangen hatte. Von Anfang an behauptete der italienische Multimillionär, dass es sich dabei um eindeutige Botschaften aus dem Weltall, genauer gesagt, vom Mars handeln müsse. Auch wenn viele Wissenschaftler Marconis Aussagen für ausgemachten Blödsinn hielten, war die Öffentlichkeit doch fortan begeistert von seinen außerirdischen Thesen. Sein größter Befürworter war Thomas Edison. Albert Einstein hingegen zweifelte massiv an Marconis Aussagen. Der brillante Wissenschaftler war der Meinung, dass wenn Marsmenschen versuchen würden, uns etwas zu sagen, warum sollten sie dann nicht Lichtsignale benutzen, die leichter beherrschbar waren, als etwa eine Funkübertragung? Einstein durchschaute Maronis Strategie schon sehr frühzeitig. Er war der Meinung, dass Marconi lediglich seine Funkgeräte an den Mann bringen wollte, und damit hatte der junge Wissenschaftler nicht ganz unrecht.

Leider kein Funksignal

Trotz der akademischen Diskussion um Marsmenschen und wie sie eventuell zu uns Menschen Kontakt aufnehmen könnten, glaubten in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts, dass dies tatsächlich per Funk geschehen könnte. Selbst das altehrwürdige »Royal Observatory« in Greenwich, England, gründete ein Team, um einer eventuell eintreffenden Nachricht vom Mars zu lauschen. Das ganze Theater um Radiosignale vom Mars bescherte der Astronomie weltweit einen großen Boom. Besonders in den USA strömten die Menschen in Sternwarten, um einen Blick auf den roten Planeten werfen zu können. Natürlich wurden viele von ihnen enttäuscht, als sie in den entsprechenden Teleskopen lediglich einen winzigen, rote eingefärbten, Fleck sahen. Ach ja, und eine Nachricht vom Mars traf auch im Jahre 1924 nicht auf der Erde ein – weder per Funk noch mit Lichtsignalen.

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