Schönheitswettbewerb in New York: »Miss Subways«




Die New Yorker-U-Bahn ist schon eine Attraktion für sich, die jeder Besucher der Millionen-Metropole einmal erleben sollte. An einem ganz normalen Wochentag nutzen mehr als 5,7 Millionen Menschen die New Yorker-Untergrundbahn; jährlich sind es 1,757 Milliarden Menschen. Insgesamt gibt es 22 Routen. Und es sind besonders die kleinen und ungewöhnlichen Geschichten, welche faszinieren. So auch die Geschichte der »Miss Subway« – einem Schönheitswettbewerb, lange bevor es die »Miss Universe« gab. Schönheitswettbewerb in New York: »Miss Subways«.

Schönheitswettbewerb in New York: »Miss Subways«
© Wcnghj at English Wikipedia

Seit vielen Jahrzehnten sind die Innenwände der U-Bahnen-Wagen weltweit mit Fahrstreckenplänen und jeder Menge Werbung gepflastert. Ab den 1940er-Jahren bis in die 1970er-Jahre gab es jedoch in der New Yorker Subway eine ganz besondere Form von Werbung. Die Passagiere der U-Bahn wurden von Anzeigen mit lächelnden Frauen im Wageninneren begrüßt. Das waren die Miss Subways, die Gewinner eines stadtweiten monatlichen Schönheitswettbewerbs.

Schönheitswettbewerb in New York: »Miss Subways«

Der Wettbewerb wurde im Jahre 1941 vom Vorläufer des heutigen Betreibers der U-Bahn, der »Metropolitan Transit Authority«, ins Leben gerufen. Das Ziel des Schönheitswettbewerbs war durchaus kommerziell: Man wollte den Blick der Passagiere auf bezahlte Anzeigen für Zigaretten oder Kaugummi lenken, indem man direkt daneben schöne Mädchen platzierte – die Miss Subways. Und der Ansturm junger Mädchen und Frauen war riesig. Jeden Monat schickten tausende Frauen Fotos von sich an die Model-Agentur John Robert Powers. Die Agentur wählte jeden Monat mindestens eine Gewinnerin aus, deren Konterfei sich dann irgendwann auf einem Foto in der U-Bahn wiederfand. Und das war nicht alles: Unter dem entsprechenden und ansprechenden Foto standen Texte zu den Interessen und Karrierewünsche (und oft auch ihr Familienstand) der Damen. Im Jahre 1963 trat eine Demokratisierung des Auswahlprozesses ein, als sich zuvor viele Damen über die Auswahlkriterien beschwert hatten. Die New Yorker konnten nun ihre Stimme an eine von sechs Frauen vergeben und ihre Stimme per Post versenden.

Subway-Foto als Karrieresprung

Die am Wettbewerb teilnehmenden Frauen waren so unterschiedlich wie ihr Aussehen. Einige Miss Subways studierten Physik, andere träumten davon, eine Karriere in Hollywood zu starten. Und manchmal ging der Traum auch tatsächlich in Erfüllung. Beispielsweise die Gewinnerin des Jahres 1941 Mona Freeman. Die spielte später in mehr als 20 Hollywood-Filmen mit. Die letzte Gewinnerin im Jahre 1976, Heide Hafner, war Amateurpilotin und nutzte die Plattform, um Frauen auf eine Karriere in der Luftfahrt aufmerksam zu machen. Die Teilnehmerinnen am Schönheitswettbewerb spiegelten den Schmelztiegel New York wieder. Es waren vor allem Frauen aus der Arbeiterklasse – Iren, Italiener, Juden, Katholiken, Latinas, Schwarze, Asiaten -, welche den Schönheitswettbewerb als Chance für ein besseres Leben nutzen wollten. So wurde beispielsweise Thelma Porter 1948 die erste farbige Miss Subways, Jahrzehnte, bevor Vanessa Williams 1983 zur ersten farbigen Miss America gekrönt wurde. Helen Lee wurde 1949 die erste asiatisch-amerikanische Miss Subways. Dies ist insofern sehr erstaunlich, als dass Schönheitswettbewerbe nicht unbedingt dafür bekannt sind, progressive Werte zu verkörpern.

Schönheitswettbewerb in New York: »Miss Subways«
Gewinnerin des Jahres 1941 Mona Freeman, machte später Karriere als Hollywood-Schauspielerin.

Das Ende des Schönheitswettbewerbes Miss Subways wurde durch die Finanzkrise in den 1970er-Jahren eingeläutet. Die New Yorker U-Bahnen wurden vernachlässigt und verfielen zunehmend. Die Poster wurden immer wieder verunstaltet und beschädigt. Zudem nahmen immer weniger Frauen teil, da die Frauenbewegung rasant an Fahrt gewann und vielen Frauen Schönheitswettbewerb mittlerweile per se ablehnten. 1976 fand der Wettbewerb ein Ende, wurde jedoch 2004 für ein Jahr wiederbelebt – zum einhundertjährigen Bestehen der U-Bahn in New York. Eine zweite Renaissance erlebte Miss Subways noch einmal 2017, diesmal unabhängig von der MTA als eine U-Bahn-Show mit prominenten Richtern.

Das könnte Sie auch interessieren:

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann teilen Sie diesen doch mit Ihren Freunden. Sie haben Anregungen zum Thema? Wunderbar! Dann nichts wie los und kommentieren Sie, was das Zeug hält!

Kennen Sie schon unseren Newsletter? Nein? Na dann nichts wie los. Als Abonnement unseres Newsletters erhalten Sie am Ende des laufenden Monats eine kompakte Übersicht der aktuellen Top-Geschichten auf »LAMUNDUS – das Online-Magazin«. Kostenfrei, schnell und zuverlässig. Hier klicken, um sich für den LAMUNDUS-Newsletter anzumelden.




Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.