Sentinelesen – das letzte Steinzeit-Volk der Erde auf North-Sentinel




Sie gelten als direkte Nachfahren der ersten Menschen Afrikas, werden etwas despektierlich als »lebende Fossilien« bezeichnet und sind das isolierteste Volk auf unserem Planeten. Die Sentinelesen erreichten vor etwa 55.000 Jahren auf Bambusflößen eine abgelegene Insel im Indischen Ozean – North Sentinel – wo sie bis heute leben. Über das Volk ist sehr wenig bekannt. Doch vor wenigen Tagen gerieten sie in die Schlagzeilen, als sie einen amerikanischen Missionar töteten. Sentinelesen – das letzte Steinzeit-Volk der Erde auf North-Sentinel.

Die Sentinelesen legen auf Besuch keinerlei Wert. Das musste letzten Dienstag ein amerikanischer Missionar am eigenen Leib erfahren und mit dem Leben bezahlen. Der wollte die Sentilesen zum Christentum bekehren und wurde kurzerhand von den Einheimischen mit Pfeil und Bogen erschossen. North Sentinel im Indischen Ozean ist gerade mal 10 Kilometer breit und 12 Kilometer lang. Dichte Wälder und traumhafte Strände verleihen der Insel ihr attraktives Äußeres. Das Eiland gehört zum indischen Hoheitsgebiet.

Sentinelesen – das letzte Steinzeit-Volk der Erde auf North-Sentinel

Die Sentinelesen gelten landläufig als sehr aggressiv und feindselig. 2006 töteten die Sentinelesen zwei Fischer, die der Küste zu nah gekommen waren. Seit 1996 wird das Volk der Sentinelesen auf internationalen Druck hin durch ein offizielles Kontaktverbot geschützt. Um die Insel herum gilt eine Sperrzone von drei Kilometern, die kein Fremder passieren darf. Das Einhalten dieser Sperrzone kontrolliert das indische Militär, und zwar sehr streng.

North Sentinel im Indischen Ozean. © Wikimedia Commons/ Medici 82

Viel weiß man nicht über die Sentinelesen, nicht einmal, wie viele Menschen auf der Insel leben. Schätzungen schwanken zwischen 50 und 500 Menschen. Zudem ist völlig unklar, ob die Sentilesen einer Religion nachgehen, wie sie sich ernähren und ob sie grundlegende Dinge wie das Feuermachen beherrschen. Nur soviel scheint klar zu sein: Die Sentinelesen sind circa 165 Zentimeter groß und erscheinen auf Fotos ausgesprochen gesund und kräftig. Anscheinend konnten ihnen Infektionskrankheiten nichts anhaben, welche die Europäer in den Raum eingeschleppt haben. Sie sprechen eine Sprache, die niemand versteht, auch auf den benachbarten Inseln nicht. Experten vermuten hierin, dass die Inselbewohner seit tausenden von Jahren keinerlei Kontakt nach außen hatten. Sie gelten damit als das isolierteste Volk der Welt.

Das Misstrauen ist begründet

Das feindselige Verhalten der Sentinelesen Fremden gegenüber hat gute Gründe: Im Jahre 1880 landeten britische Eroberer auf der Insel und verschleppten einige Sentinelesen. Die wurden sehr schnell krank und verstarben schließlich. Das Volk der Sentinelesen kennt keine Grippe, keine Masern oder sonstige Infekte. Ihr Immunsystem hat dem also auch nichts entgegenzusetzen.

1981 strandete der Frachter »MS Primrose« vor der Küste von North Sentinal Island. Die Inselbewohner schossen Pfeile in Richtung der Seebrüchigen. Nur eine schnelle Rettung per Hubschrauber rettete den Matrosen das Leben. Auf Google Earth ist das Wrack gut erkennbar. Foto: Google Earth

Der indische Ethnologe Vishvajit Pandya relativiert in einem Interview mit der »Frankfurter Allgemeine Zeitung« das Bild von steinzeitlichen, mordlustigen Urmenschen: »Sich vor Fremden schützen zu wollen ist (…) ein menschlicher Instinkt. Warum nehmen wir überhaupt an, dass die Sentinelesen uns mit offenen Armen begrüßen, singend und tanzend, als wären wir Kapitän Cook? Die Sentinelesen sind (…) nicht so aggressiv, wie der Mythos uns glauben machen möchte (…). Die Pfeile sind zur Jagd auf Tiere gemacht, nicht auf Menschen.«

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