Texten fürs Web – Teil 1

Online-Layout und wie Online-Besucher lesen




Texten fürs WebDas Layout von Web-Seiten ist für die Praxis ein wichtiges Thema. Zwar sollte immer der Inhalt des Web-Angebots im Vordergrund stehen, bedenken Sie jedoch stets: »Das Auge isst mit«. Der erste Teil des Workshops »Texten fürs Web« zeigt, welche Aspekte und Grundbedürfnisse des Online-Lesers Sie in Sachen Typografie und Layout beachten sollten. Bei Beachtung der aufgeführten Richtlinien »betten« Sie einen Text in ein angenehmes Äußeres, was dem Inhalt mehr als zu Gute kommt.

Nur wenn das Äußere eines Textes angenehm verpackt ist, kann sich der Leser voll und ganz auf den Inhalt konzentrieren. Er wird nicht von äußerlichen Ungereimtheiten abgelenkt.

Nachfolgend ein paar Tipps in Kurzform:

  • Vermeiden Sie Übertreibungen.
  • Verwenden Sie höchstens 2–3 Schriftgrößen.
  • Mischen Sie nur 2 Schriftarten.
  • Setzen Sie höchstens 2–3 Schriftgestaltungsmittel (Fettdruck, Kapitälchen usw.) ein.
  • Verwenden Sie wenige Farben, diese aber dann mit Fokus auf ihre psychologische Wirkung.
  • Lockern Sie das Layout durch unbedruckte Flächen (white space) auf.
  • Gestalten Sie das Seitenlayout (Überschriften, Hintergrund usw.) einheitlich.
  • Verdeutlichen Sie die Gliederung des Textes (z.B. durch Leerzeilen und unterschiedliche Schriftgrößen bei Überschriften).
  • Passen Sie Schriftart und Schriftgröße dem Texttyp an.
  • Meiden Sie Hervorhebungen durch GROSSBUCHSTABEN (Versalienschreibweise), was im Web besonders wichtig ist, weil dies dort als »SHOUTING« in Misskredit steht.

Texten fürs Web

Design und Layout von Online-Seiten dienen vor allem der Vermittlung von Inhalten und unterstützen den Text sowie die Verarbeitung des Gelesenen beim Besucher Ihrer Site. Informationen zur Struktur Ihrer Site sollten stets am oberen Rand der Web-Seite präsentiert werden. Dies basiert auf der Erkenntnis der Wahrnehmungspsychologie, dass alles, was an dieser Stelle angezeigt wird, in unmittelbarer hierarchischer Verbindung zum aktuell abgehandelten Thema steht. Der Leser erwartet an dieser Stelle Informationen zur Struktur der aktuellen Web-Seite.

Achten Sie dabei bitte darauf, dass den Themen der größte Platz bzw. die größte Fläche freigehalten wird, um die es aktuell geht. Diese wichtigen Elemente siedeln Sie am besten im linken Teil des Layouts an, da die Lesebewegung im lateinischen Alphabet immer von links oben nach rechts unten verläuft. Die Platzierung im linken Teil des Layouts bietet den Vorteil, dass der Blick des Lesers immer zuerst auf die Information fällt, die im Kontext zur aktuellen Seite steht. Gleich bleibende Elemente einer Web-Seite hingegen finden ihren Platz am rechten Rand der Seite. Dies kommt der Tatsache entgegen, dass die Mehrzahl der Benutzer als Rechtshänder die Computer-Maus mit der rechten Hand bedient. Maus und allgemeine Interaktionselemente liegen somit physisch rechts von den Inhalten.

Vom Print zur Online-Veröffentlichung

Wenn für eine Website Dokumente konvertiert werden, die bisher auf Papier vorlagen, sollten Sie sich genau überlegen, ob Sie das vertraute Layout beibehalten oder nicht. Lassen Sie ruhig einmal Ihre Freunde, Bekannte oder Mitarbeiter über konvertierte Dokumente schauen und fangen Sie deren Meinung zur Bedienung ein. Farben haben nicht nur eine ästhetische Funktion, sie dienen auch zur Verdeutlichung von Zusammen- hängen und Unterschieden zwischen einzelnen Elementen. Bei der Konvertierung von Print-Dokumenten in Online—Seiten sollten nur die wichtigsten und unumgänglichen Änderungen vorgenommen werden. Lassen Sie konvertierte Dokumente von Anwendern testen.

Texten fürs Web

Wie lesen Online-Leser?

Sind Texte im Internet anders aufgebaut? Sollten sie anders gestaltet werden? Diese Fragen sind eindeutig mit einem Ja zu beantworten. Eine Vielzahl von Studien zeigen, dass sich ein Print-Text doch sehr stark von einem Hypertext unterscheiden sollte. Der Grund hierfür liegt in der unterschiedlichen Art der Informationsverarbeitung beider Textgattungen. Der erste fundamentale Unterschied ist, dass ein Buch oder ein Zeitungsartikel fest auf Papier gedruckt ist. Im Internet hingegen rezipiert der Leser die Informationen von einem Bildschirm, der das Bild Zeile für Zeile neu aufbaut. Es handelt sich bei Online-Texten also um kein statisches Gebilde wie bei einem gedruckten Text. Dieser kontinuierliche Textaufbau eines Online-Textes Zeile für Zeile führt früher oder später zu Problemen mit den Augen, wenn die Texte nicht dem Medium angepasst sind.

Die Augen nehmen als erstes die Aufteilung der Seiten und die darin enthaltenen Kontraste wahr. Erst danach wendet sich der Leser dem Text zu. Lesen Sie einen Text in gedruckter Form, so schauen Sie üblicherweise nach unten. Dieses führt dazu, dass Ihre Augen ein ganz klein wenig tränen (was Sie aber nicht bemerken) und so ständig mit Tränenflüssigkeit versorgt werden. Lesen Sie jedoch einen Text an einem Bildschirm, halten Sie Ihren Kopf in aller Regel wesentlich aufrechter. Dies hat zur Folge, dass ihre Augen mit sehr viel weniger Tränenflüssigkeit versorgt werden. Die Augen des Bildschirmlesers trocknen aus, was wiederum sehr oft zu einem unwohlen Gefühl führt.

Eine Studie des »Usibility-Gurus« Jakob Nielsen ergab, dass man beim Lesen vom Monitor auch nicht mehr so oft blinzelt, was die ganze Sache zusätzlich erschwert. Und die Folge für uns Texter: Kürzen Sie Ihre Texte so, dass sie auf eine Bildschirmseite passen und der Online-Leser nicht mehr als unbedingt notwendig gezwungen wird, auf den Bildschirm zu starren, um einen Text zu lesen.

Nun ist es nicht immer möglich, einen Text lediglich auf einer Bildschirmseite abzubilden. Sollte dies der Fall sein, erstellen Sie besser eine zweite Seite, die über einen Link mit der ersten Seite verbunden ist. Das seitenlange Scrollen immenser Textmengen am Bildschirm sollte vermieden werden, da die schnelle Bewegung des Inhalts durch das Scrollen ebenfalls zu Irritationen der Augen und somit schließlich zum Unwohlsein führen kann. Wer lange Texte am Bildschirm liest, der sollte diese lieber ausdrucken – das schont die Augen und fördert die Konzentration.

Wie immer gibt es auch in diesem Bereich der Bildschirmrezeption von Texten konträre Meinungen. Gegenteilige Experten erforschten, dass die Unterschiede zwischen dem Lesen am Bildschirm und in klassischen Medien doch nicht so gravierend sind. Viele Kritiker der seitenweise dargestellten Inhalte wittern hinter diesem Ansatz eine kommerzielle Absicht. Es sollen damit mehr Seitenabrufe zu erzielt werden, um mehr Werbung zu verkaufen.

Mittlerweile hat sich die Fraktion der »Holy Scrollers« durchgesetzt, die den scrollbaren Seiten gegenüber dem ständigen Klicken für eine neue Seite den Vorzug geben.

Die Vorteile für lange Seiten sind:

  • es entfallen lange Ladezeiten für die Fortsetzung des Artikels,
  • das Überfliegen eines Artikels auf relevante Inhalte ist einfacher,
  • das Ausdrucken des Artikels fällt leichter,
  • man gelangt schnell zum Ende des Textes, um eine eventuell vorhandene Zusammenfassung zu lesen.

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