Texten fürs Web Teil 2: Das Storyboard




StoryboardBeim Storyboard einer Website geht es darum, die nicht notwendigerweise lineare Abfolge der verschiedenen Ansichten einer Site zu visualisieren, bevor die einzelnen Seiten realisiert werden. So sollen unter Zuhilfenahme eines Storyboards Fragen nach dem Navigationsverhalten auf einer Website geklärt werden. Ziel soll es sein, mittels eines Storyboards zum einen eine komplette Website zu simulieren und zum anderen Inhalte für das Füllen der einzelnen Hypertext-Seiten zu finden. Werden viele verschiedene Hypertext-Seiten miteinander verknüpft, ist es in der Planungsphase ratsam, ein Storyboard anzufertigen.

Der Begriff „Storyboard“ (Drehbuch) stammt aus dem Filmgeschäft, findet aber mittlerweile oft Anwendung im Bereich der Erstellung von Websites und Multimediaprojekten. Dabei kann es sich um eine Handskizze auf einem losen Blatt Papier oder um anspruchsvolle Farbbilder einer MindMap-Applikation handeln. Ein Storyboard ist dann besonders sinnvoll, wenn mehrere Redakteure, Programmierer und Designer an einer Site arbeiten. Auf Basis eines stets allen Beteiligten verfügbaren Storyboards weiß jeder Teilnehmer, an welchem Teil die anderen gerade arbeiten. So kann sich jeder Projektteilnehmer darüber informieren, was noch gemacht werden muss und wie die aktuelle Gesamtstruktur der Website aussieht.

  • Das Storyboard zwingt, visuell zu denken und Ideen in informativen Skizzen darzustellen.
  • Das Storyboard ist flexibel, da Ideen, Bilder und Sequenzen von Ereignissen leicht an eine andere Stelle des Hypertextes bzw. der Website verschoben werden können.
  • Schließlich kann ein Storyboard Bilder oder Texte enthalten, so dass es sich als natürliches Modell für die Erstellung auf dem Rechner anbietet.

Für wen ist das Angebot gedacht?

Stellen Sie sich weiterhin die Frage, ob Sie Kooperationspartner, Anzeigenkunden, Medienmacher oder gar Multiplikatoren für Ihren Hypertext gewinnen möchten. Sollen Außenstehende oder Betroffene zu einem ganz bestimmten Thema informiert werden oder sollen Besucher Ihres Hypertextes weiterführende Fachinformationen zur Thematik XYZ erhalten (Sie setzen also Profiwissen voraus)? Beantworten Sie diese Fragen in aller Ruhe, da sie entscheidende Auswirkungen auf den Inhalt Ihres Hypertextes haben werden. Weitere Fragen, die Sie bereits im Vorfeld diskutieren und natürlich beantworten sollten:

  • Welchen Nutzen zieht der Leser aus Ihrem Hypertext?
  • Wie fügt sich Ihr Hypertext in die Gesamtstruktur Ihres Web-Angebotes ein?
  • Gibt es Kommunikationsmöglichkeiten mit dem potentiellen Leser (Mail, Chat, Foren etc.)?
  • Was gibt es bereits im WWW zu Ihrem Thema? Unterscheidet sich Ihr Angebot von dem des Betreibers XYZ?

Konnten Sie diese Fragen für sich zufriedenstellend beantworten, ist es an der Zeit, ein Dossier für das Thema des zukünftigen Hypertextes zu erstellen. Schreiben Sie und Ihre Kollegen im Rahmen eines gemeinsamen Brainstormings sämtliche Ideen zum entsprechenden Hypertext-Thema auf, die Ihnen gerade in den Sinn kommen. Ein „geht nicht“ sollten Sie bei einem Brainstorming erst einmal aus Ihrem Kopf streichen. Schreiben Sie die Ideen auf ein Blatt Papier, ein Flip-Chart oder in den Computer hinein und unterziehen Sie die einzelnen Stichpunkte anschließend einer ersten gro- ben Gliederung.

Nachfolgend sehen Sie die Materialsammlung eines Brainstormings zum Thema „Laufen hält gesund“:

Warum sollte man laufen:
Ausblick auf das Gesundheitsprofil der Bevölkerung; Vorbeugung gegen Krankheiten; Gewichtsreduzierung bei übergewichtigen Menschen;

Welche Ernährung ist anzuraten?

Leben Läufer länger?

Aufwärmen ist das A und O; Übersicht mit Aufwärmübungen

Auswirkungen eines
auf die Gesundheit des Läufers. Kann Laufen zur Sucht werden?

Für den ambitionierten Anfänger:
Programme für Anfänger; Welche Ausstattung ist notwendig; Fachgeschäfte oder Mailorder im Internet? Laufschuhe

Laufstrecken:
In der unmittelbaren Umgebung und deutschlandweit. Gibt es Bücher zu lokalen Laufstrecken? Wo sind die Informationen im Internet zu finden?

Kooperationspartner Kontakt herstellen: Deutscher Sportlerbund, Lauftreffs in meiner unmittelbaren Umgebung, Deutscher Laufbund, Ärzte mit Spezialisierung auf Betreuung von Joggern

Medizinische Aspekte des Laufens:

Interview mit dem Gesundheitspapst und einem Läufer älteren Semesters

Laufen als Bestandteil der Fitness- und Anti-Aging-Bewegung in Deutschland

Wo liegen die Gefahren des Laufens? Gibt es Gesundheitsrisiken für gesunde und kranke Menschen?

Laufquellen im Internet
Der Weg zur Marathonteilnahme

Literaturtipps:
Fachzeitschriften zum Thema Laufen; Bücher zum Thema Laufen; Informationen der Krankenkassen;

Kontakt zu Profis auf der Webseite; Beantwortung von Fragen – angefangen beim Anfänger bis zum Profi, Forum mit Fragen und Antworten zum Thema Laufen, die Leser stellen und beantworten können, Chat mit Profi-Läufern von Zeit zu Zeit.

Aufbau einer Hierarchie

Nun ist der zweite Schritt der Informationsaufbereitung notwendig. Sie und Ihre Kollegen bewerten die Materialsammlung. Schnell werden Sie feststellen, dass sich nach und nach besonders wichtige Punkte und Themen herausbilden. Versuchen Sie anschließend, ein übersichtliches und straffes Konzept zu extrahieren inklusive einer mehrstufigen Informations- hierarchie. Verhindern Sie von Anfang an, dass das gesamte Konzept „aus dem Leim zu gehen“ droht, indem Sie mit straffer Hand Ihre systematische Planung auf Basis einer Chefredaktion „durchziehen“. Bleiben wir einmal bei unserem Beispiel. Versuchen Sie doch einmal aus der oben aufgeführte Materialsammlung eine Gliederung herauszufiltern. Fragen Sie sich dabei stets, was den Leser am meisten interessiert bzw. was er als erstes lesen möchte. Eine Gliederung unserer Materialsammlung könnte in etwa wie folgt aussehen:

  • Der Grund
  • Die Grundausstattung
  • Laufprogramme
  • Medizinische Risiken
  • Diskussion (Chat und soziale Medien)
  • Kontakt

Nachdem Sie nun eine erste grobe Gliederung getroffen haben, sollten Sie die Themen auf die entsprechenden Kapitel verteilen:

Der Grund:

Wir bewegen uns zu wenig
Das Gesundheitsprofil der deutschen Bevölkerung Vorbeugung gegen Krankheiten
Gewichtsreduzierung bei übergewichtigen Menschen Auswirkungen eines regelmäßigen Laufprogramms auf die Gesundheit des Läufers
Leben Läufer länger?
Laufen als Bestandteil der Fitness- und Anti- Aging-Bewegung in Deutschland

Die Grundausstattung:

Welche Ausstattung ist notwendig
Fachgeschäfte oder Mailorder im Internet Laufschuhe
Die Beratung ist wichtig

Laufprogramme:

Programme für Anfänger
Laufquellen im Internet
Deutscher Sportlerbund
Lauftreffs in meiner unmittelbaren Umgebung Deutscher Laufbund

Medizinische Risiken:

Welche Ernährung ist anzuraten?
Aufwärmen ist das A und O
Übersicht mit Aufwärmübungen
Wo liegen die Gefahren des Laufens?
Gibt es Gesundheitsrisiken für gesunde und kranke Menschen?

Diskussion:

Diskussionsforen zu den Punkten der Gliederung

Kontakt:

Chat mit Profi-Läufern von Zeit zu Zeit E-Mail-Kontakt

Setzen Sie nun das auf dem Papier existierende Storyboard optisch um. Auch hier können Sie wieder eine Pinnwand, ein Flip-Chart oder eine geeignet Software benutzen. Sie müssen nun die Struktur Ihres Hypertextes auf Basis der Gliederung umsetzen.

Alles eine Frage der Dramaturgie

Sicherlich fragen Sie sich jetzt, wie Sie als Nichtdramaturg einen dramaturgischen Faden in einen Hypertext bzw. in die Hypertextstruktur bringen können. Sie brauchen nicht an einer Filmhochschule zu studieren oder bei Steven Spielberg in die Lehre zu gehen, um Ihrer Website einen dramaturgischen Touch zu verleihen. Es gibt ein großes Rezept, an das Sie sich halten sollten: Bringen Sie Abwechslung in Ihren Hypertext! Anhand des Storyboards haben Sie einen Hypertext in einzelne funktionelle Informationseinheiten gegliedert. Indem Sie nun diese Informationseinheiten nach Stilformen trennen, gehen Sie einen großen Schritt in Richtung Abwechslung in Ihrem Hypertext. Die einzelnen Stilformen elektronischer Hypertexte lernen Sie noch später im Rahmen des Tutorials kennen. Achten Sie darauf, dass Sie zwischen verschiedenen journalistischen Darstellungsformen wechseln, um dem Leser eine abwechslungsreiche Dramaturgie zu bieten.

Nichts liest sich langweiliger als zwanzig Berichte zu einem Thema, die in ein und derselben Darstellungsweise dem Leser dargeboten werden. Wechseln Sie stattdessen zwischen Bericht, Reportage, Interview, Kommentar oder Meldung zu einem Thema. Legen Sie dem Leser einen abwechslungsreichen Leseweg durch Ihren Hypertext. Zudem sorgen Sie für Abwechslung, wenn Sie den Leser mit interaktiven und kommunikativen Elementen abwechselnd überraschen. Wenn Sie sich als Leser innerhalb einer Website durch verschiedene Dokumente klicken, erleben Sie einen dramaturgischen Prozess. Verschiedene Text-, Video-  oder Bildelemente verknüpfen sich in unserer Wahrnehmung zu einer erzählerischen Einheit. Diese Verknüpfungen kann der Autor zu einem gewissen Grad steuern und beeinflussen.

Auch im Umgang mit dem Internet haben wir uns einige Konditionierungen angeeignet. Verschiedene Ereignisse auf dem Bildschirm lassen uns etwas Bestimmtes erwarten oder fordern unsere Aufmerksamkeit ganz besonders. Stellen Sie sich stets die Frage, wie Sie diese Konditionierung als Hypertext-Autor inhaltlich nutzen können, um Spannungen auf- und abzubauen, Erwartungen zu erfüllen oder zu steigern. Auch Bewegungsabläufe innerhalb eines Dokumentes unterliegen den Phänomenen der Dramaturgie. Ein sich bewegendes Element wird immer in Bezug zu den anderen Objekten gesehen und löst so Erwartungen bezüglich seiner Funktion aus. Ähnlich wie bei einer Print-Reportage der so genannte rote Faden, halten beim Hypertext die Navigationspunkte den Spannungsbogen. Navigationspunkte helfen einen Spannungsbogen zu spannen, sie bilden die Startpunkte für ein ganzes Netz aus Informationen und müssen den Leser sowohl in der Geschichte weiterführen als auch Orientierung bieten. Navigationspunkte müssen sich selbst erklären.

Hier geht es zum Teil des Tutorials: Texten fürs Web Teil 1: Online-Layout und wie Online-Besucher lesen

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