USA: Warum sehen so viele Diner wie Eisenbahn-Waggons aus?




Diner gehören zu den USA wie Mickey Mouse, Disneyworld oder ein Barbecue. Sie sind regelrechte Eyecatcher, sehen die Cafés bzw. Schnellimbisse doch aus, wie Eisenbahnwaggons aus längst vergangenen Zeiten. Doch wieso sehen Diner denn nun so aus? Denn eines ist Fakt – fast alle Diner haben niemals auch nur einen Meter Schienenstrang gesehen. USA: Warum sehen so viele Diner wie Eisenbahn-Waggons aus?

USA: Warum sehen so viele Diner wie Eisenbahn-Waggons aus
Der weltberühmte Mickey’s Diner in Downtown St. Paul hat seit 1937 jeden tag des Jahres für 24 Stunden geöffnet. © kkmarais

Amerikanische Diner waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Zeichen ihrer Zeit. Die Amerikaner waren hungrig nach Geschwindigkeit – schnelle Autos, schnelle Züge, schnelle Flugzeuge – alles musste mit Geschwindigkeit erledigt werden. So auch das Essen. Zu später Stunde jedoch noch einen Happen zu sich zu nehmen war ein Ding der Unmöglichkeit – es gab einfach keine Möglichkeit hierfür. Eine Chance für Gastronomen! Die meisten potentiellen Betreiber eines Imbisses bestellten vorgefertigte Diner. Die waren modular aufgebaut und sahen modern aus – halt wie ein Eisenbahnwaggon der Epoche. Und was wäre passender für das Thema Geschwindigkeit, als ein Imbiss, der einem Eisenbahnwaggon ähnlich sah.

USA: Warum sehen so viele Diner wie Eisenbahn-Waggons aus?

Es war Patrick Tierney, der als Erster vorgefertigte Lunch-Wagen Ende des 19. Jahrhunderts anbot. Zuerst waren es tatsächlich Handkarren, die eine komplette mobile Küche beherbergten. Das Geschäftsmodell änderte sich jedoch sehr schnell, und zwar als die ersten Speisewagen auf den Schienen einen neuen Standard in Sachen Gastronomie setzten. Tierney war begeistert von den pompösen Speisewagen der Eisenbahngesellschaften. Also begann der findige Geschäftsmann verschiffbare und stationäre »Speisewagen« zu bauen, die die Menschen ab Mitte der 1920er Jahre begeistert für ihre kulinarischen Ausflüge nutzten.

USA: Warum sehen so viele Diner wie Eisenbahn-Waggons aus
Der »Modern Diner« auf Rhode Island. © Improbcat/(CC BY-SA 3.0)

Wie bei Eisenbahnwaggons wurden auch bei der Herstellung von Restaurants Mobilitätsaspekte berücksichtigt. Züge erhielten in den 1930er Jahren einen verchromten, stromlinienförmigen Look, verkörpert durch das prächtige Design des Burlington Zephyr-Zuges von 1934. Die Diners folgten diesem Beispiel. Roland Stickey, ein New Yorker Erfinder und Designer, erfand das Sterling Streamliner Diner-Modell für die J.B. Judkins Company of Massachusetts. Es sah so sehr wie ein Zug aus, dass »nur die Gleise und die Personenwagen fehlten«, schreibt der Straßenkulturhistoriker Michael Karl Witzel.

Die Diner jener Zeit wurden komplett entweder per LKW oder Bahn. Ein Manko, was die Größe, die Anzahl der Sitzplätze und generell das Design des Restaurants einschränkte. In den 1940er Jahren entwickelte der Paramount Diner-Hersteller schließlich eine Methode zum Bau eines Restaurants, das in modular verschifft werden konnte. Ein Beispiel ist das inzwischen aufgegebene Comet Diner in Hartford, Connecticut, von Paramount, dass eine obere und eine untere Ebene hatte. Obwohl die überwiegende Mehrzahl der klassischen Restaurants vorgefertigt waren, wurden einige wenige tatsächlich aus alten Eisenbahn- oder Trolleybussen hergestellt.

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