Wie schädlich ist Methan fürs Klima?

Nordsee: Alte Bohrlöcher sind »Methan-Schleudern«




Wie schädlich ist Methan fürs Klima?Eine bisher vernachlässigte Quelle für das umweltschädliche Treibhausgas Methan sind neuesten Forschungen nach stillgelegte Bohrlöcher. Aus ihnen entweichen pro Jahr tausende Tonnen Methan. Bedingt dadurch, dass sich die meisten dieser Bohrlöcher in flachen Gewässern befinden, kann das Gas ungehindert in die Atmosphäre entweichen. Weder Industrie, Aufsichtsbehörden noch der Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V. untersuchen, ob und wie viel Methan aus Bohrlöchern Methan entweicht. Für sie ist dieses Problem nicht existent. Ein fataler Fehler! Stellt sich die Frage: Wie schädlich ist Methan fürs Klima?

Ein Forscherteam des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel und der Universität Basel veröffentlicht jetzt in der internationalen Fachzeitschrift »Environmental Science & Technology« neue Daten, wonach Gasaustritte, die entlang der Außenseite von Bohrlöchern entweichen, ein deutlich größeres Problem darstellen könnten als bisher angenommen. Diese Art der Leckage wird derzeit weder von Betreibern noch Regulatoren betrachtet, könnte aber ebenso bedeutsam sein, wie die Austritte aus beschädigten Bohrlöchern selbst, welche meist schnell erkannt und repariert werden. „Wir haben hochgerechnet, dass Leckagen rund um Bohrlöcher eine der Hauptquellen für das Methan in der Nordsee sein könnten“, sagt Dr. Lisa Vielstädte vom GEOMAR, die Hauptautorin der Studie.

Wie schädlich ist Methan fürs Klima?

Methan ist der Klimakiller Nummer eins. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Methan in einem Zeitraum von hundert Jahren 34 Mal stärker zur Erwärmung der Atmosphäre beiträgt als Kohlendioxid. Verkürzt man den Zeitraum auf zwanzig Jahre, dann schneidet es sogar noch sehr viel schlechter ab. Es trägt dann sogar 86 Mal stärker zum Klimawandel bei als CO2. Seit vielen Jahrzehnten fördern Energieunternehmen in der Nordsee Öl und Erdgas. Insgesamt existieren 11.000 Bohrlöcher – aktive und bereits geschlossene.  Problematisch sind vor allem inaktive Bohrlöcher, da diese in Mengen Methan freisetzen. Das klimafeindliche Methan stammt aus sogenannten flachen Gastaschen, die weniger als 1.000 Meter unter der Meeresoberfläche liegen. Um die tieferliegenden Öl- und Erdgasvorkommen zu erreichen, werden diese Gastaschen einfach durchstoßen. »Diese Gastaschen sind meistens auch keine Gefahr für die Bohrungen an sich. Aber offenbar sorgt die Störung des Untergrundes dafür, dass rund um das Bohrloch Gas zum Meeresboden aufsteigen kann«, erklärt Matthias Haeckel vom GEOMAR, Mitinitiator einer Studie zum Thema Methan.

17.000 Tonnen Methan pro Jahr

Nach Schätzungen der Forscher vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel könnten rund ein Drittel der Gastaschen in der Nordsee zwischen 3.000 und 17.000 Tonnen Methan pro Jahr aus dem Meeresboden austreten.

Wie schädlich ist Methan fürs Klima?
Methangasaustritt in der Nähe eines Bohrlochs. Foto: ROV KIEL6000, GEOMAR.

Im Meerwasser wird Methan normalerweise mikrobiell abgebaut, was in der näheren Umgebung zu einer lokalen Versauerung führen kann. In der Nordsee liegt etwa die Hälfte der Bohrlöcher in so geringen Wassertiefen, dass das am Meeresboden austretende Methan die Atmosphäre erreichen kann. Dort entfaltet es als Treibhausgas eine deutlich größere Wirkung als Kohlendioxid. »Erdgas, also Methan, wird oft als der fossile Brennstoff gepriesen, der für den Übergang von Kohlenutzung zu regenerativen Energien am besten geeignet ist. Wenn Bohrungen nach Gas aber global zu so großen Methanemissionen in die Atmosphäre führen, müssen wir das Treibhausbudget von Erdgas neu überdenken«, resümiert Dr. Haeckel.

Methan-Austritt auch beim Transport

Nicht bei »undichten« Bohrlöchern entweicht Methan dem Meeresboden. Auch beim Transport des Gases zum Endkunden emittiert es die Umwelt. Das Umweltbundesamt hat dies einmal etwas genauer unter die Lupe genommen: Demnach entweichen pro Jahr etwa 192.900 Tonnen des Klimakillers  im Rahmen der Erdgasnutzung. Dazu addieren sich noch ungefähr 9.300 Tonnen durch die Bereitstellung und Förderung von Erdöl. Pro Tonne Methan entstehen 3975 Euro Klimafolgekosten, so das Umweltbundesamt. Somit komme es jährlich zu 804 Millionen Euro an Klimafolgekosten durch die Förderung und Bereitstellung (inklusive Importe) von Erdöl und Erdgas in Deutschland.

Zur Pressemitteilung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel.

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