»Wissenschaftliches Arbeiten macht Frauen unfruchtbar!«

Die Frauenexpedition der Maria Mitchell




Maria MitchellAls am 29. Juli 1878 eine Sonnenfinsternis ganz Texas verdunkelte machten sich im Vorfeld dieses Ereignisses diverse Expeditionen auf, um das Himmelsereignis zu erforschen. Darunter Maria Mitchell, eine damals bekannte Wissenschaftlerin. Ihr Team bestand ausschließlich aus Frauen. Und das aus gutem Grund: Sie wollte der Öffentlichkeit beweisen, dass auch Frauen durchaus wissenschaftlich tätig sein könnten. Zu damaligen Zeiten keine Selbstverständlichkeit!

 

Das wissenschaftliche Arbeiten lässt bei jungen Frauen die Fortpflanzungsorgane verkümmern. Zudem entwickeln die Frauen keine mütterlichen Gefühle – lediglich ein ungehobelter Charakter macht sich bei weiblichen Wissenschaftlern stattdessen breit. Und schließlich sterben die Frauen der Wissenschaft an geistiger Überanstrengung. Eine im ausgehenden 19. Jahrhundert durchaus gängige Meinung. Vorrangig eine, die fast ausschließlich von Männern propagiert wurde. Maria Mitchell hatte da etwas dagegen. Sie war empört ob der chauvinistischen Einstellung ihrer wissenschaftlichen, männlichen Kollegen. Sie musste etwas gegen diesen Missstand tun.

Eine Sonnenfinsternis als Chance

Und da kam der cleveren Astronomin eine Idee: Warum nicht die anstehende Sonnenfinsternis als Instrument nutzen, um auf Frauen in der Wissenschaft aufmerksam zu machen?! Ihr ging es vor allem um ihre Studentinnen. Seit geraumer Zeit leitete die taffe Wissenschaftlerin das Observatorium am Frauen-College Vassar. Mit ihrer Reputation war eigentlich alles zum Besten bestellt. Immerhin hatte sie Jahre zuvor einen Kometen entdeckt. Die Zukunft ihrer Studentinnen in Wissenschaft und Gesellschaft machte ihr Sorgen. Die Akzeptanz von Frauen in Wissenschaft und Forschung sah alles andere als rosig aus. Maria Mitchell kämpfte für das Recht von Studentinnen auf höhere Bildung und hatte schließlich den Plan gefasst, die Absolventinnen bei der Sonnenfinsternis als kompetente Forscherinnen zu präsentieren. Dabei sollte es weniger um das eigentliche astronomische Ereignis gehen, als die jungen Damen am Teleskop zu präsentieren.

Auf nach Texas

Schnell war ein Frauen-Team auf die Beine gestellt. Was Mitchell nicht wusste, war die Tatsache, dass sie nicht allein mit ihrer Expedition auf dem Weg nach Texas war. Die wissenschaftliche Elite der USA hatte sich ebenfalls vorgenommen sich Richtung Wilder Westen aufzumachen, um dem astronomischen Ereignis beizuwohnen. Die männlichen Kollegen hatten jedoch nur ein maßgebliches Vorhaben – das persönliche Profilieren ihres Status als wissenschaftliche Koryphäen. Auch der noch junge Erfinder Thomas Edison suchte hier das Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit, damit sein Genie endlich landesweit bekannt werden würde. Daraus wurde erst einmal nichts.

Maria Mitchell
Maria Mitchell und ihre Studentinnen.

Die Reise der Damen nach Texas, also in den Wilden Westen, war alles andere als ein ungefährliches Unterfangen. Es drohten Zugüberfälle. Im Zug gen Westen saß Mitchell und ihre Studentinnen neben Goldsuchern, Cowboys, Taschendieben und allerlei zwielichtigen Menschen, die nur darauf warteten, den betuchten Wissenschaftlern das Geld aus den Taschen zu ziehen. Zudem war die gesamte Expedition sowieso eine sehr strapaziöse Angelegenheit, auch ohne räuberische Zwischenfälle. Mitchells Augenmerk galt neben ihren Studenten vor allem der wertvollen Fracht. Das tonnenschwere Equipment, welches maßgeblich aus Teleskopen und anderem Zubehör bestand, musste den Transport heil überstehen und vor Ort wieder fehlerfrei aufgebaut und in Funktion genommen werden. Und wie sollte es auch anders sein, die Teleskope verschwanden, kamen jedoch kurze Zeit später an. Glück gehabt.

Es lief wie am Schnürchen

Die versammelte Presse stürzte sich auf Maria Mitchell und ihre Studentinnen. Pflichtbewusst posierten die Damen vor den Teleskopen und beantwortete alle Fragen zur vollsten Zufriedenheit der anwesenden Journalisten. Sie waren die Stars der Sonnenfinsternis. Mitchell wurde gefeiert. Eine Zeitung beschrieb ihre Expedition sogar als »weiteren und spitzen Pfeil im Köcher der Frauenbewegung«. Was will man mehr! Und dennoch war es lediglich ein kleiner Schritt der Emanzipation der Frauen. Aber ein sehr wichtiger. Es dauerte jedoch noch 32 Jahre, bis die Frauen in den USA wählen durften.

Nach ihrem Tod im Jahre 1889 wurde zu Ehren Maria Mitchells die »Maria Mitchell Astronomical Society« gegründet. Zudem wurde sie 1905 in die »Hall of Fame for Great Americans« aufgenommen. Auch das hätte Maria gefreut: In Andenken ihrer wichtigen Tätigkeit als Wissenschaftlerin wurde 1935 der 30 km große Mondkrater Mitchell nach ihr benannt und 1937 der in Heidelberg entdeckte Asteroid (1455) »Mitchella«.

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